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Plettenberg kämpft gegen Personalflucht: Stadt übernimmt Rettungswache und zahlt Zulagen

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Struktureller Umbruch im Rettungsdienst

Die Stadt Plettenberg zieht die Reißleine: Um den massiven Abgang von Fachkräften zu stoppen und die finanzielle Stabilität der Notfallversorgung zu sichern, stehen weitreichende Änderungen bevor. Ab dem 1. Januar 2026 wird der Märkische Kreis die Trägerschaft der Plettenberger Rettungswache übernehmen.

Hintergrund dieser Entscheidung ist die zunehmende Sorge der Stadtverwaltung vor finanziellen Risiken. Bisher betrieb Plettenberg die Wache eigenverantwortlich und konnte die Kosten vollständig über die Krankenkassen refinanzieren. Doch das Verhalten der Kostenträger wird restriktiver, weshalb die Stadt befürchtet, künftig auf Kosten für den Rettungsdienst sitzen zu bleiben und somit die Bürger finanziell belasten zu müssen.

Durch die Übertragung der Trägerschaft auf den Kreis wird die Stadt von administrativen Aufgaben wie der Gebührenkalkulation und der Abrechnung mit den Krankenkassen entlastet. Das operative Geschäft bleibt jedoch in lokaler Hand: Die Stadt Plettenberg wird weiterhin beauftragt, den Dienst mit ihrem eigenen städtischen Personal durchzuführen.

Massiver Personalschwund bei der Feuerwehr

Parallel zur organisatorischen Umstrukturierung kämpft die Feuerwehr Plettenberg mit einer besorgniserregenden Fluktuation. In den vergangenen drei Jahren verzeichnete die Wehr insgesamt 17 Abgänge. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Stadt die Zahlung einer speziellen Zulage beschlossen, um als Arbeitgeber im Wettbewerb mit anderen Kommunen attraktiv zu bleiben.

Die Personalsituation wird durch die angespannte Haushaltslage der Stadt zusätzlich verschärft. Ab 2027 droht ein Haushaltssicherungskonzept, was bereits jetzt Auswirkungen auf geplante Investitionen hat. Der Brandschutzbedarfsplan, der eigentlich notwendige Sanierungen und Neubauten vorsieht, steht unter dem Vorbehalt strenger Sparvorgaben.

Investitionsstau trotz Neubau in Ohle

Während der Neubau des Feuerwehrgerätehauses im Ortsteil Ohle zügig voranschreitet und voraussichtlich im dritten Quartal 2026 übergeben werden kann, weisen andere Standorte erhebliche Mängel auf. Besonders in Holthausen und Selscheid besteht dringender Handlungsbedarf, der bis hin zu notwendigen Abrissen und Neubauten reicht.

Auch die Hauptwache, die 1997 eingeweiht wurde, entspricht laut aktuellem Bedarfsplan nicht mehr den modernen Anforderungen an Größe und Ausstattung. Ein eigens gegründeter Arbeitskreis soll nun klären, welche baulichen Maßnahmen angesichts der leeren Kassen priorisiert werden können, um die Sicherheit der Bevölkerung weiterhin innerhalb der geforderten Zehn-Minuten-Frist zu gewährleisten.

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