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Sektorenübergreifende Notfallversorgung: Hessen startet Echtbetrieb zur Entlastung von Rettungsdienst und Kliniken

Generatives KI Bild / Google

Digitales Steuerungssystem vernetzt Rettungsdienst und Praxen

In Hessen ist das innovative Modellprojekt „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“ (SaN) in den Echtbetrieb gestartet. Das Projekt zielt darauf ab, die Überlastung von Rettungsdiensten und Notaufnahmen durch eine gezielte Patientensteuerung zu reduzieren.

Kern des Systems ist ein durchgängig digitalisierter Prozess, der eine nahtlose Fallübergabe zwischen den Zentralen Leitstellen des Rettungsdienstes (Rufnummer 112) und der Disposition des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (Rufnummer 116117) ermöglicht. Damit können Patienten bereits in der Phase der Ersteinschätzung der medizinisch am besten geeigneten Versorgungsebene zugewiesen werden.

Präzise Patientensteuerung durch SmED und IVENA

Um die Dringlichkeit und den Versorgungsbedarf der Hilfesuchenden objektiv zu beurteilen, setzt das medizinische Personal die Software „SmED“ (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) ein. Diese digitale Unterstützung hilft dabei, zwischen echten lebensbedrohlichen Notfällen, dringenden ambulanten Fällen und weniger akuten Beschwerden zu unterscheiden.

Patienten, die keine stationäre Behandlung benötigen, können über das etablierte IVENA-System direkt an teilnehmende Partnerpraxen oder Bereitschaftsdienstzentralen vermittelt werden. Der Rettungsdienst identifiziert via Tablet die nächstgelegene verfügbare Praxis und informiert diese vorab digital über den eintreffenden Patienten.

Drei Pilotlandkreise als Vorreiter

Der Echtbetrieb findet aktuell im Main-Taunus-Kreis, im Main-Kinzig-Kreis sowie im Landkreis Gießen statt. In diesen Regionen arbeiten Rettungsdienstträger, Krankenhäuser, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen und die Krankenkassen eng zusammen, um die Sektorengrenzen in der Akutversorgung zu überwinden.

Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) betonte beim Start des Echtbetriebs, dass Patienten so die passgenaue Hilfe erhielten, während gleichzeitig kritische Ressourcen im Rettungsdienst und in den Kliniken geschont würden. Laut KV-Vize Armin Beck ist die zentrale Innovation, die Notfallversorgung als Ganzes zu denken, unabhängig davon, welche Anlaufstelle zuerst kontaktiert wird.

Herausforderungen bei der Netzabdeckung

Trotz des erfolgreichen Starts gibt es noch Ausbaupotenzial bei der Anzahl der teilnehmenden Praxen. Aktuell sind in Hessen 35 Partnerpraxen und acht Bereitschaftsdienstzentralen in das System integriert. Da keine Annahmepflicht für die Praxen besteht, kann es bei hoher Auslastung vorkommen, dass Patienten dennoch in Krankenhäuser transportiert werden müssen.

Seit dem Projektstart vor vier Jahren wurden rund 1.300 Zuweisungen über das System abgewickelt. Die Beteiligten streben eine weitere Verdichtung des Praxisnetzes an, um die Effektivität der Steuerung weiter zu steigern und unnötige Klinikaufenthalte konsequent zu vermeiden.

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