Finanzielle Belastungsprobe für den bayerischen Rettungsdienst
Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) warnt eindringlich davor, den Rettungsdienst, die Pflege und die soziale Infrastruktur durch pauschale Kostendeckelungen und Kürzungen zu schwächen. Angesichts steigender Einsatzahlen und wachsender Anforderungen dürften diese Bereiche nicht zum bloßen „Reparaturbetrieb“ für systemische Defizite im Gesundheitswesen degradiert werden.
Laut BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk stehe der Rettungsdienst in Bayern unter erheblichem Druck. Während die Zahl der Notfallalarmierungen in den letzten zehn Jahren um über 50 Prozent gestiegen ist, hinkt der Ausbau der Kapazitäten deutlich hinterher. Dies gefährde zunehmend die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen 12-Minuten-Hilfsfrist.
Strukturelle Defizite und steigende Kosten
Ein wesentlicher Treiber der Belastung ist der Wandel in der medizinischen Landschaft. Klinikschließungen und die Spezialisierung von Krankenhäusern führen zu längeren Fahrtwegen für die Rettungskräfte. Zwischen 2015 und 2016 legten die Fahrzeuge des BRK bereits 1,5 Millionen Kilometer mehr zurück als im Vorjahr.
Zusätzlich belasten steigende Personalkosten durch tarifliche Anpassungen und notwendige Investitionen in moderne Technik die Budgets. Das BRK fordert daher eine vollständige Refinanzierung dieser Kosten durch die Krankenkassen. Pauschale Einsparungen seien in einem personalintensiven Bereich wie der Notfallrettung der falsche Weg und gefährdeten die Versorgungsqualität.
Fehlsteuerungen im Notfallsystem
Ein weiteres Problem stellt die Zunahme von Alarmierungen dar, bei denen kein akuter medizinischer Notfall vorliegt. Diese sogenannten „Bagatellfälle“ binden wertvolle Ressourcen, die an anderer Stelle für lebensbedrohliche Einsätze fehlen. Das BRK sieht hier einen dringenden Bedarf an besserer Patientensteuerung und Aufklärung der Bevölkerung.
Um die Funktionsfähigkeit des Systems zu sichern, plädiert die Hilfsorganisation für eine Abkehr von rein retrospektiven Bedarfsanalysen. Stattdessen sollten prospektive Begutachtungsverfahren zum Standard werden, um auf demografische Entwicklungen und steigende Einsatzzahlen schneller reagieren zu können. Nur durch eine bedarfsgerechte Vorhaltung und faire Finanzierung könne der Rettungsdienst zukunftssicher aufgestellt werden.