Steigende Einsatzzahlen belasten die Notfallrettung
Der Rettungsdienst im Landkreis Celle steht vor erheblichen Herausforderungen. Im vergangenen Jahr 2025 ist die Zahl der Einsätze in der Notfallrettung massiv auf 16.465 gestiegen. Trotz personeller und technischer Anstrengungen konnte das gesetzlich verankerte Ziel der Hilfsfrist erneut nicht flächendeckend erreicht werden.
Die Hilfsfrist besagt, dass ein Rettungsmittel in 95 Prozent der Notfälle innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort eintreffen muss. Im Landkreis Celle wurde dieser Wert im vergangenen Jahr erneut unterschritten, was die Verantwortlichen zur Analyse tiefgreifender struktureller Probleme veranlasst hat.
Strukturprobleme und Standortfragen
Eines der Hauptprobleme ist die strategische Verteilung der Rettungswachen. Aktuell steht insbesondere die Zukunft der Rettungswache Beckedorf zur Debatte. Um die Hilfsfristen in der Fläche zu verbessern, prüft der Landkreis derzeit alternative Standorte, da die aktuelle Positionierung nicht mehr ausreicht, um entlegene Gebiete zeitgerecht zu erreichen.
Parallel dazu plant die Samtgemeinde Lachendorf den Bau einer neuen Wache, um die Versorgungssicherheit im östlichen Teil des Landkreises zu erhöhen. Diese Maßnahmen sind Teil eines großangelegten Plans zur Optimierung der Rettungskette, der jedoch durch langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse verzögert wird.
Personalnot und Fehlnutzung des Notrufs
Neben der Infrastruktur bereitet der Fachkräftemangel Sorgen. Obwohl die Kapazitäten laut Kreisverwaltung routinemäßig überprüft und angepasst werden, führt das gestiegene Einsatzaufkommen zu einer hohen Belastung des vorhandenen Personals. Ein neues Personalgutachten soll nun klären, wie viele zusätzliche Stellen tatsächlich benötigt werden, um die Einsatzspitzen abzufangen.
Ein weiteres kritisches Element ist die Fehlsteuerung von Notrufen. Experten wie Cord Pukall vom DRK-Rettungsdienst betonen immer wieder die Bedeutung der richtigen Nutzung der Notrufnummern 112 und 116 117. Zu viele Bagatellfälle blockieren Kapazitäten, die für lebensbedrohliche Notfälle fehlen. Zudem belasten Krankentransporte, die stark zugenommen haben, die Leitstelle zusätzlich.
Sicherheit der Einsatzkräfte und externe Faktoren
Besorgniserregend ist zudem die zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte. Im Jahr 2025 wurden im Landkreis Celle 94 Straftaten gegen Vollzugsbeamte und Rettungskräfte verzeichnet. Diese Angriffe erschweren nicht nur die Arbeit vor Ort, sondern beeinträchtigen auch die psychische Gesundheit und die Motivation der Retter.
Zusätzliche Risiken entstehen durch externe Faktoren wie extreme Wetterlagen oder Baustellen. So kritisierte die Johanniter-Unfall-Hilfe zuletzt, dass Streiks im Winterdienst das Risiko und den Zeitdruck bei Einsatzfahrten massiv erhöht haben. In einem System, in dem jede Minute zählt, führen blockierte Straßen oder unzureichend geräumte Wege direkt zu einer Verschlechterung der Versorgungsqualität.